Forschungsprojket zur Klimasensitivität von Gletschern


 

Die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) hat im Frühjahr 2017 DIin Sandra Braumann eine DOC-Fellowship für die Dauer von 36 Monaten zuerkannt. Im Rahmen der geplanten Forschungsarbeiten führt die Stipendiatin im Team des Instituts für Angewandte Geologie (IAG) und in Kollaboration mit dem Lamont Doherty Earth Observatory der Columbia University (New York, USA), der University of Utah und der Geologischen Bundesanstalt Wien eine multidisziplinäre Gletscher- und Klimastudie in der Silvrettagruppe durch.

Alpine Gletschersysteme reagieren sehr rasch auf Klimaänderungen und hinterlassen geomorphologische Spuren wie beispielsweise Gletscherschliffe und Moränensequenzen. Einzelne Wallmoränen in verschiedenen Höhenlagen unterhalb des heutigen Eisrandes markieren ehemals stabile Gletscherausdehnungen und sind ein Hinweis für vergangene, kühlere oder feuchtere Klimaperioden. Eine genaue Kartierung dieser glazialen Landschaftselemente ermöglicht es zunächst Paläogletscherstände räumlich einzuordnen. Unter Anwendung von Expositionsdatierung mittels des kosmogenen Nuklids 10Be kann in einem nächsten Schritt der Ablagerungszeitpunkt der Moränen bestimmt und damit auch die zeitliche Dimension erfasst werden. Eine geomorphologische Betrachtung ausgewählter Gebiete der Silvrettagruppe kombiniert mit einer umfassenden Geochronologie sollen im Rahmen des Projekts Aufschluss über unterschiedliche Gletscheränderungen während des Holozäns, also während der letzten 11.700 Jahre, geben. Die daraus abgeleiteten Ergebnisse werden einerseits in ein Gletschermodell eingearbeitet, sodass der gängige Kalibrierungszeitraum, welcher zumeist auf instrumentellen Aufzeichnungen basiert, um die geologische Zeitskala erweitert wird. Andererseits sollen durch das Modell Gletscherfluktuationen in der Vergangenheit auch in einen klimatologischen Kontext gebracht werden. Welche Umweltbedingungen waren im betrachteten Gebiet Voraussetzung für kartierte und datierte, holozäne Eisausdehnungen? Gelingt es, Paläogletscherstände robust zu modellieren, können auch zukünftige Gletscheränderungen einhergehend mit prognostizierten Klimaszenarien simuliert werden und darauf aufbauend die Auswirkungen auf den alpinen Raum abgeschätzt werden.

Die Forschungsarbeiten in der Arbeitsgruppe von Prof. Markus Fiebig und Dr. Stephanie Neuhuber werden unter dem Namen „Sensitivität von Gletschern in den Ostalpen gegenüber dem Klimawandel“ von der inatura Erlebnis Naturschau GmbH in Abstimmung mit dem Amt der Vorarlberger Landesregierung (AbT. IVe) gefördert. Das BOKU-Team erhält von inatura voraussichtlich über drei Jahre hinweg finanzielle Unterstützung zur Deckung von Projektunkosten.

 

 


14.11.2017